Markus Lenz

Frankfurt am Main

» HAUPTSEITE «


Im Rahmen meiner wirtschaftshistorischen Studien hatte mich der Zusammenhang zwischen der wirtschaftspolitischen Ideologie der nationalsozialistischen Regierung im Zeitraum von 1933 bis 1945 und der Auswirkung auf das Banken- und Versicherungswesen interessiert. Entstanden ist das Buch mit dem Titel „Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Bankwesen im Dritten Reich“.


Aus der Einleitung

Als im Jahre 2008 die Bundesrepublik Deutschland sowie die Staatengemeinschaft der Europäischen Union von der sogenannten „Finanzkrise“ erfaßt wurden und seitens der Bundesregierung zur Stabilisierung sowohl die Verstaatlichung sogenannter „systemrelevanter Banken“ vorangetrieben als auch die Institution der sogenannten „Bad Bank“ geschaffen wurde, hatte es den Anschein, dass sich der Lauf der Geschichte nach knapp 80 Jahren sprichwörtlich wiederholen würde. Denn nichts anderes geschah am 25. Juli 1931, als die „Akzept- und Garantiebank“ von staatlicher Seite nach den Wirren der Weltwirtschaftskrise und nach der deutschen Bankenkrise ins Leben gerufen wurde.

Damals mußte ein besonderes Geldinstitut etabliert werden, das mit diskontfähiger Unterschrift ausgestattet war, so dass ausgegebene Bankpapiere bei der Reichsbank eingelöst werden konnten. Banken konnten ihre Finanzwechsel, die grundsätzlich von der Reichsbank nicht angenommen wurden, über die „Akzept- und Garantiebank“ reichsbankfähig machen und sich mit neuem Zentralbankgeld ausstatten. Gleiches galt für Sparkassen, die seinerzeit keinerlei Geschäftsbeziehung zur Reichsbank pflegten. Die Bürgschaft der „Akzept- und Garantiebank“, Wechsel bei der Reichsbank rediskontieren zu lassen, sorgte dafür, dass Geschäftsbanken und Sparkassen insgesamt mit fast 1,75 Milliarden Reichsmark versorgt werden konnten, um den deutschen Geld- und Kapitalmarkt zu stabilisieren.

Heute steht das Wort „Bad Bank“ als Synonym für ein Geldinstitut mit „schlechten“ Verbindlichkeiten oder mit „faulen“ Kreditengagements im Portfolio. Die „Bank Bank“ ist eine Abwicklungsbank, Abwicklungsanstalt bzw. Auffangbank, um Derivate und Zertifikate von in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Emittenten und notleidenden, sanierungsbedürftigen Geschäftsbanken aufzufangen. Ziel ist es damals wie heute gewesen, die Übertragung der Ausfallrisiken bewußt auf Dritte zu verschieben, um die Insolvenz betroffener Geschäftsbanken zu vermeiden. Folglich verabschiedete die deutsche Bundesregierung das Gesetz zur Fortentwicklung der Finanzmarktstabilisierung, womit die Schaffung einer „Bad Bank“ gefördert werden konnte. Am 11. Dezember 2009 wurde u.a. die Erste Abwicklungsanstalt von der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung errichtet; am 2. Oktober 2010 hatte die verstaatlichte Bankenholding Hypo Real Estate (HRE) ihre existenzbedrohenden Wertpapiere und Kredite an die neugegründete FMS Wertmanagement übertragen.

Es könnten noch viele weitere Maßnahmen und Systemeingriffe genannt werden. Unverkennbar bleibt jedoch eine gewisse Parallele der wirtschaftspolitischen Handlungen vor dem Jahre 1933 mit denen im Jahre 2008. Einmal mehr zeigt sich in diesem Zusammenhang, wie gehaltvoll die wirtschaftshistorische Forschung sein kann, um Erkenntnisse historischer Entwicklungen als Ursache zu begreifen, die Konsequenz aus diesen Ursachen in der Gegenwart zu verstehen und hieraus wiederum Prognosen für die Zukunft zu diskutieren. Meine Untersuchung strebt im Kern zwar keinen Vergleich der oben genannten wirtschaftspolitischen Systemeingriffe an, soll jedoch über die Beschreibung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik den geschätzten Leser zur systemvergleichenden Forschung anregen.


Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Bankwesen im Dritten Reich

Buch „Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Bankwesen im Dritten Reich“ (ISBN: 978-1-5002-5193-2)


Zur Vorgehensweise

Wenn diese Untersuchung die Geschäftstüchtigkeit der deutschen Banken vom Ende des 20. Jahrhunderts bis hin zum Beginn des 21. Jahrhunderts zum Thema haben würde, so müßten hierbei Schlagworte wie europäische Währungsunion, Globalisierung oder strategische Allianzen von Banken oder Kreditinstituten eingehend beschrieben werden. Zwangsläufig käme man bei diesem Bestreben zu dem Ergebnis, dass ein Staat und dessen politische Maßnahmen zunehmend in die Abhängigkeit von Wirtschaftsinteressen geraten. Mit anderen Worten ließe sich die Situation dahingehend beschreiben, dass deutsche und internationale Banken, Kreditinstitute sowie Investmentgesellschaften den Staat und seine politischen Maßnahmen determinieren.

Ganz anders verhält es sich aber bei Betrachtung des Bankwesens im Dritten Reich. Zwar war schon immer eine Verflechtung der Banken mit der Industrie - insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Industrialisierung - zu erkennen gewesen und dadurch auch eine direkte oder indirekte Beeinflussung auf die Wirtschaftspolitik auszumachen, dennoch ist nicht abzustreiten, dass Banken, Sparkassen und Kreditinstitute im Zeitraum von 1933 bis 1945 zunehmend zum Spielball der nationalsozialistischen Regierung geworden sind.

Für die vorliegende wirtschaftshistorische Beschreibung könnte daher provozierend formuliert werden, dass sich das Bankwesen im Dritten Reich in einem Zustand der bedingungslosen Abhängigkeit vom Staat befand. Gerade diese Aussage soll den Untersuchungsgegenstand darstellen: Es stellt sich die Frage, ob sich das nationalsozialistische Regime das Bankwesen zum Untertan gemacht hat und ob es überhaupt alternative Handlungsmöglichkeiten für Banken, Sparkassen und Kreditinstitute gab.

In der Literatur wird die Geschichte des Kreditwesens im Nationalsozialismus meist unter der Fragestellung nach der Finanzierung sowie nach den Finanzierungsmethoden der Arbeitsbeschaffung und Aufrüstung untersucht, so dass es lediglich Übersichten über die Geschäftsentwicklung der jeweiligen Gruppen der Kreditwirtschaft, der privaten und öffentlichen Banken sowie der Sparkassen gibt. Auch detaillierte Berichte einzelner Banken behandeln vorwiegend die isolierte Geschichte des eigenen Unternehmens unter dem Aspekt der allgemeinen politischen und ökonomischen Entwicklung und leisten somit nur einen beschränkten Beitrag zum Verständnis nationalsozialistischer Banken- bzw. Wirtschaftspolitik.

Eine Analyse des Bankwesens im Dritten Reich ist nicht ohne die eingehende Betrachtung der Situation vor, während und nach der Bankenkrise im Jahre 1931 verständlich, um die weitere politische Entwicklung zu verstehen. Darüber hinaus muß untersucht werden, ob sich die Banken primär an den Vorgaben des Staates orientierten und somit absichtlich oder unabsichtlich gegen ihre eigenen geschäftspolitischen Grundsätze handelten. Sodann resultiert aus dieser Untersuchung die Frage, welche Ansätze einer spezifischen nationalsozialistischen Bankenpolitik es überhaupt gab und inwiefern die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik diese Ansätze verwirklichte.

Daher soll eine Darstellung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik folgen. Hierbei gilt festzuhalten, dass die Kapitalmarkt- und Einkommenspolitik des nationalsozialistischen Regimes eine Strukturverschiebung des Kreditwesens zugunsten der Sparkassen förderte, weil der Staat seinen Kreditbedarf „geräuschlos“ durch direkte Abschöpfung der Liquiditätsüberschüsse über die Sparkassen finanzierte. Denn mit einer gezielten Förderung des privaten Sparens in der Bevölkerung, die letztlich der Finanzierung der expandierenden Staatsausgaben diente, forcierte der Staat vor allem das langfristige Sparkassengeschäft.

Dass es gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen des nationalsozialistischen Regimes gab, ist nicht abzustreiten; wie oben erwähnt, sollen diese Maßnahmen skizziert werden und dabei vor allem das Instrumentarium zur Durchsetzung dieser Maßnahmen beschrieben werden. Eine besondere Rolle zur Durchsetzung dieser Maßnahmen spielte letztlich die Reichsbank, denn ihre einst gesetzlich manifestierte Autonomie schwand in dem Maße, wie das Regime seinen Einfluß durch Notverordnungen und durch Gesetzesänderungen geltend machte.

Die Reichsbank geriet somit Schritt für Schritt unter das Primat der Politik, was sich u.a. schon in der Personalunion des Reichsbankpräsidenten und Wirtschaftsministers Hjalmar Schacht widerspiegelte. Die Reichsbank wurde zu einer Vollstreckerin des staatlichen Willens im Bereich des Geld- und Kreditwesens und übernahm somit einen Teil der staatlichen Wirtschaftspolitik. Daher muß in der nachstehenden Betrachtung auch und insbesondere der Reichsbank und ihren Hilfsinstituten ein besonderes Augenmerk zukommen. Schlußendlich muß die Frage diskutiert werden, ob die Banken mangels Alternativen in der Geldanlage unfreiwillig zu Finanziers der Aufrüstung und des Krieges gemacht worden sind.


Buchhandel und Bibliotheken

Sie müssen mein Buch mit dem Titel „Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Bankwesen im Dritten Reich“ nicht im Buchhandel erwerben, denn es steht Ihnen in zahlreichen Bibliotheken zur kostenlosen Ausleihe zur Verfügung, vgl. Abfrage über den „Karlsruher Virtuellen Katalog“ (KVK), ein weltweiter Recherchedienst nach Zeitschriften und Büchern in Bibliotheks- und Buchhandelskatalogen. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich meine E-Mail-Adresse aus Spam-Schutz-Gründen nicht veröffentliche; ich stehe Ihnen jedoch gerne für Rückfragen und weitere Informationen unter der Rufnummer 069 - 2475 3034 (Anrufbeantworter) zur Verfügung.

Zum Seitenanfang